Die Kunst vernetzt zu denken

Frederic Vester 
ISBN-Nr. 3421053081
Deutsche V.-A., Stgt.

Ideen und Werkzeuge für einen neuen Umgang mit Komplexität

  Angesichts einer immer komplexeren Welt wird die Unzulänglichkeit herkömmlicher Denkweisen bewußt. Was kaum schon entwickelt ist, ist ein Gefühl für die Zusammenhänge, die die Dinge der Welt verbinden. Jeder Eingriff in komplexe Gefüge hat höchst komplexe Konsequenzen. Für sich perfekt geplant, können die Wechselwirkungen, die er auslöst, unter Umständen ins Chaos führen. Davor bewahrt auch die ungeheure Informationsmenge nicht, auf die zugegriffen werden kann: Mehr Information bedeutet selten besseres Informiertsein. Frederic Vester und sein Team der Studiengruppe für Biologie und Umwelt können auf jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit komplexen Problemen und Situationen zurückblicken. Er faßt diese Erfahrungen in diesem Handbuch zusammen, das sich an Politiker und Manager genauso wie an Laien wendet. Seine zentrale Botschaft lautet: Die Kunst des vernetzten Denkens ist eine wesentliche Erweiterung. 

  Pressenotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 11.09.2000
Dagmar Deckstein zeigt sich spürbar angetan von diesem Band des "Altmeisters des systemischen Netzwerkdenkens", der hierdeutlich aufzeige, welche Fehlentscheidungen ein allzu "linear-kausales Maschinendenken" nach sich ziehen kann. Dies macht Vester an zahlreichen recht anschaulichen Beispielen plausibel, wie Deckstein anmerkt. So zeige er verfehlte Weichenstellungen bei der Bekämpfung von Vandalismus in U- und S-Bahnen, bei denen eine verstärkte Überwachung seiner Ansicht nach wenig erfolgversprechend ist, sondern er vielmehr für ein "aggressionshemmendes Umfeld" plädiert. Andere Beispiele befassen sich mit der Eindämmung des Rechtsextremismus, den Überkapazitäten im Strommarkt und der Frühverrentung, die – so Deckstein – "kein systemisch geschulter Gewerkschafter" ernsthaft mehr fordern könne. Der gemeinsame Nenner in Vesters Thesen scheint nach Deckstein die enorme Anhäufung von Daten zu sein, die bei Fehlentscheidungen seiner Ansicht nach oftmals eine fatale Rolle spielen. Beim vernetzten Denken in Vesters Sinn stehen jedoch die "überraschenden Einsichten in verborgene Zusammenhänge" im Vordergrund, die dem Leser – wie die Rezensentin feststellt – in mancher Hinsicht die Augen öffnen.